
Am Morgen fahren wir in die Sierra de Urbasa. Der Gebirgszug erstreckt sich zwischen dem atlantischen Teil Navarras und der trockenen Zona Media, dem Herzen der Region. Auf dieser menschenleeren Hochebene wechseln sich karge Wiesen und üppige Buchenwälder in unregelmäßiger Folge ab. Mit etwas Glück können wir mächtige Gänsegeier, die eine Spannweite von fast drei Meter erreichen können, vom Rad aus beobachten. Nach einer längeren Abfahrt mit herrlichen Ausblicken auf die bizarre Felslandschaft der Sierra de Santiago de Loquiz erreichen wir am späten Nachmittag das auf dem Jakobsweg gelegene Estella. Wir wohnen im modern gestalteten Hotel Tximista, einem ehemaligen Getreidespeicher mit komfortablen Zimmern. Am Spätnachmittag spazieren wir durch die Altstadt und sehen dort den Palast der Herzöge von Granada de Ega. Im 12. Jh. errichtet, ist er der einzig erhaltene romanische Profanbau Navarras. Nicht umsonst nannte man die Stadt im 15 Jh. „Estella la bella“. Romanische Architektur, Paläste, Kirchen, Klöster und andere Sehenswürdigkeiten haben ihr auch den Beinamen „Toledo des Nordens“ eingebracht. Nach unserem Rundgang erwartet uns ein Restaurant, das uns mit navarresischen Spezialitäten verwöhnen wird. Vielleicht teilen Sie zu vorgerückter Stunde die Meinung des französischen Gelehrten und Pilgers Aymeric Picaud, aus dem 12. Jh.: „Estella ist eine Stadt, in der man gutes Brot, hervorragenden Wein, viel Fleisch und Fisch und alles nur denkbare Glück findet“.